Digitale Identitäten

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Digitale Identitäten

Wann wird der Heilberufsausweis digital?

Heute hängt die Identifizierung von Leistungserbringern an physischen Karten. Ab 2029 kommen digitale Identitäten hinzu, die ohne Karte, Kartenterminal und Konnektor funktionieren. Diese Seite ordnet ein, was das für den Heilberufsausweis bedeutet, welcher Nutzen dahintersteckt und wo der Wandel auf Institutionsseite heute schon Realität ist.

Warum die Kartenbindung an Grenzen stößt

Heute werden Leistungserbringer und Einrichtungen über physische Karten identifiziert. HBA und SMC-B werden in Kartenterminals gesteckt und für Authentifizierung, Entschlüsselung und Signatur genutzt. Bei jedem Zugriff muss die gesamte Kette aus Karte, Kartenterminal, Konnektor und Online-Prüfung funktionieren. Fällt ein Glied aus, ist die Einrichtung von der TI abgeschnitten. Genauso wenig funktioniert dieses Modell überall dort, wo niemand vor einem festen Gerät sitzt: bei Hausbesuchen, in der mobilen Versorgung, in Vertretungssituationen.

Ergänzung, nicht Ablösung

Die entscheidende Nuance dieses Bausteins wird in der öffentlichen Diskussion häufig übergangen. Die gematik beschreibt die digitale Leistungserbringer-Identität ausdrücklich als Ergänzung zum Heilberufsausweis, nicht als dessen Ersatz. Auch der Transformationsplan formuliert zurückhaltend: HBA und eGK bleiben mit reduziertem Funktionsumfang als ergänzender Zugangsweg erhalten, sind aber nicht mehr systemkritisch. Es geht also um einen Bedeutungsverlust über Zeit, nicht um ein Abschaltdatum. Wer seinen Heilberufsausweis kürzlich getauscht hat, hat keine Fehlinvestition getätigt. Der HBA bleibt bis auf Weiteres das zentrale Mittel für Authentifizierung und qualifizierte elektronische Signatur, und für die Signatur bleibt auch das eHealth-Kartenterminal vorerst erforderlich.

Was ab 2029 dazukommt

Ab Q1 2029 sollen digitale Identitäten für Leistungserbringer und Institutionen verfügbar sein, technische Grundlage ist ein Wallet-Konzept auf Basis der europäischen EUDI-Wallet. Der Zugriff auf TI-Anwendungen funktioniert damit ohne Karte, ohne Kartenterminal, ohne Konnektor und ohne separate Online-Zertifikatsprüfung. Der Rollout erfolgt anwendungsweise: zunächst DiPag, E-Rezept und VSDM im ersten Halbjahr 2029, danach die ePA im vierten Quartal 2029 und die Kommunikationsdienste Anfang 2030. Dieser Baustein ist zugleich die Voraussetzung für den Konnektor-Rückbau ab Q2 2030. Ohne digitale Identitäten kein konnektorloser Zugang.

Auf Institutionsseite ist die Ablösung schon Realität

Was für den Heilberufsausweis noch bevorsteht, ist bei der Institutionsidentität bereits vollzogen. Mit HSM-B ersetzt ehex die kartengebundene SMC-B durch eine Institutionsidentität, die vollständig cloudbasiert, performant und ohne lokale Hardware betrieben wird. In der Einrichtung bleibt keine Karte und kein Terminal dafür zurück. Im laufenden Betrieb zeigt sich das nicht als technische Vorstufe, sondern als Lösung für die heutigen Anforderungen: Die Technik löst Leistungserbringer vom festen Standort, und gemeinsam mit dem TI-Gateway werden mobile Versorgungsszenarien damit erstmals möglich.

Was heute schon feststeht, und was nicht

Bei diesem Baustein ist Ehrlichkeit über den Kenntnisstand wichtiger als eine glatte Botschaft. Fest steht die Richtung: Digitale Identitäten kommen, sie lösen die Kartenbindung auf, und sie sind Voraussetzung für den weiteren Rückbau der heutigen Infrastruktur. Nicht abschließend geklärt ist bislang, ob ihre Nutzung für Leistungserbringer verpflichtend wird oder dauerhaft eine Option neben dem Heilberufsausweis bleibt. Auch die Fernsignatur, über die Signaturen künftig ohne Karte vor Ort möglich werden sollen, ist bisher eingeplant und nicht verfügbar. Wer heute Investitionsentscheidungen trifft, braucht deshalb keine Eile, sondern Anschlussfähigkeit: Lösungen, die mit beiden Wegen umgehen können.

Ich habe meinen Heilberufsausweis gerade erst getauscht. War das umsonst?

Nein. Der Tausch war wegen der Umstellung auf modernere Kryptografie notwendig und der HBA bleibt bis auf Weiteres das zentrale Mittel für Authentifizierung und qualifizierte elektronische Signatur. Digitale Identitäten kommen ab 2029 zusätzlich dazu, sie ersetzen den Ausweis nicht.

Muss ich digitale Identitäten dann nutzen, oder kann ich beim HBA bleiben?

Das ist bislang nicht abschließend geklärt. Die gematik beschreibt die digitale Leistungserbringer-Identität als Ergänzung zum Heilberufsausweis. Ob daraus eine Nutzungspflicht wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht verbindlich festgelegt.

Was habe ich im Alltag konkret davon?

Den größten Unterschied machen digitale Identitäten dort, wo die Kartenbindung heute nicht funktioniert: bei Hausbesuchen, in der mobilen Versorgung und in Vertretungssituationen. Wer ohnehin am festen Arbeitsplatz arbeitet, wird zunächst wenig Veränderung bemerken.

Warum hängt der Konnektor-Rückbau an diesem Thema?

Solange die Identifizierung an Karten gebunden ist, wird die Kette aus Kartenterminal und Konnektor gebraucht. Erst wenn digitale Identitäten verfügbar sind, kann diese Abhängigkeit vollständig entfallen. Deshalb beginnt die Abkündigung der Konnektoren erst ab Q2 2030, also nach der Einführung der digitalen Identitäten.

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